Schüler aus Boxberg (Baden-Württemberg) besuchen die Gedenkstätte Flossenbürg

Mit zwei Klassen kamen die 8. Klassen der Realschule Boxberg nach Bad Alexandersbad. Von hier aus besuchten sie die Gedenkstätte Flossenbürg. Dabei wurden sie bei uns im Haus pädagogisch begleitet. Wir sagen herzlichen Dank für die anschaulichen Berichte ihrer Lehrerin und von zwei Schülern.

Während der Seminararbeit in Bad Alexandersbad

Auch das Essen schmeckte

Bericht von Joana

Klassenfahrt nach Bad Alexandersbad (07.– 09. November)

Am Montag, den 07.11.16 begab sich die Klasse 8b mit dem Reisebus auf Klassenfahrt nach Bad Alexandersbad. Ziel dieser Reise war die Besichtigung der Gedenkstätte bzw. des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg. Außerdem beschäftigten wir uns in den drei Projekttagen mit dem Thema Nationalsozialismus. Mit nicht allzu schwerem Gepäck und guter Laune begann früh morgens die Reise. Eine vierstündige Busfahrt lag vor uns, die sich jedoch viel länger anfühlte, als sie letztendlich war. Gegen Mittag trafen wir in Bad Alexandersbad ein. Dann wurden die Zimmer eingeteilt und kurze Zeit später gab es Mittagessen. Nach einer leckeren Mahlzeit begaben wir uns auf unsere Zimmer und hatten etwas Freizeit. Anschließend startete unser dreitägiger Kurs, in dem wir zuerst die Zeit des Krieges behandelten. Es wurde geklärt, von welchen Themen wir schon Bescheid wissen, sowie was uns in den Projekttagen erwartet und was uns genau interessiert.

Wir erhielten einen Einstieg und einige Informationen zum Thema Konzentrationslager. Sehr interessant zu sehen war ein Interview von einem Mann, der kurze Zeit in Gefangenschaft im KZ Flossenbürg lebte. Er berichtete von den schrecklichen Unterkünften und der harten Arbeit. Es tat im Herzen weh zu sehen, was Menschen zu dieser Zeit durchmachen mussten. Am Abend stärkten wir uns wieder mit Speisen vom Buffet. Nach der Freizeit, in der wir uns größtenteils ausruhten, trafen wir uns in der Sporthalle des Gebäudes, um uns am Ende des Tages nochmal auszutoben. Auch auf der Kegelbahn bewiesen wir unsere sportlichen Künste. Nachdem alle geduscht waren, schlüpften wir nach einem spaßigen, aber auch lehrreichen Tag
in unsere Betten und schliefen sofort vor Erschöpfung ein.

Am nächsten Morgen mussten wir sehr früh aufstehen, weil heute die Besichtigung der Gedenkstätte anstand. Nach dem Frühstück brachte uns ein Bus nach Flossenbürg. Dort angekommen, trafen wir unsere Gruppenleiterin und legten sofort mit der Besichtigung los. Unsere Leiterin erklärte uns, was es mit dem großen Gebäude vor dem Eingang auf sich hatte und zeigte uns anhand eines Planes, was sich früher alles im KZ befand. Kurze Zeit später bekamen wir die ehemaligen Duschräume des Lagers sowie den Appellplatz zu Gesicht. Es war schrecklich zu erfahren, wie früher mit den Häftlingen umgegangen wurde und abartig anhand eines Filmes zu sehen, was für harte Arbeit sie im Arbeitslager leisten mussten. Die Menschen mussten sich sehr zusammenreißen, um sich trotz allem noch selbst behaupten zu können und nicht ihre Menschlichkeit zu verlieren. Ein sehr emotionaler Moment war die Besichtigung des Krematoriums im Tal des Todes, in dem sich der Ofen und der Seziertisch befanden. Ein Moment des Schweigens und der Besinnung erfüllte das Tal.

Nach den Gruppenarbeiten verließen wir die Gedenkstätte mit gemischten Gefühlen und kehrten zurück zu unserer Unterkunft. Dort ließen wir nach dem Abendessen den Abend ausklingen. Am Morgen unseres letzten Projekttages mussten wir unsere Koffer wieder packen. Nach dem Frühstück präsentierten wir unsere Themen, die wir am vorherigen Tag im Konzentrationslager erarbeitet hatten. Anschließend gab es Mittagessen und gleich danach reisten wir ab. Mit vielen Eindrücken im Gepäck kamen wir erschöpft in Boxberg an. Die drei lehrreichen Tage haben uns einen kleinen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus verschafft. Noch ein kleines Dankeschön an Frau Oster, Herrn Röhr und Frau Pfleger, die uns begleitet haben.

 

Bericht von Linda

Bericht Flossenbürg

Am Mittwoch, den 09. November 2016 fuhren wir, die Klasse 8a, nach Bad Alexandersbad. Wir wussten noch nicht, was wir alles im KZ sehen würden. Die Anfahrt verlief ruhig, manche Schüler hörten Musik, andere spielten Karten. Als wir in Bad Alexandersbad ankamen, bezogen wir unsere Zimmer und aßen zusammen mit der Parallelklasse zu Mittag. Die 8b fuhr mit dem Bus, mit dem wir ankamen, wieder zurück.

Unsere Gruppenleiterin Amy lernte uns mit Hilfe von Spielen kennen. Danach schrieben wir auf Karten, was wir von dem Aufenthalt erwarten würden. Nachdem suchte sich jeder ein Bild aus und beschrieb dieses. Es waren viele Bilder vom Krieg. Ich finde es sehr schlimm, was ich auf den Bildern sah! Auf einem Bild sah man einen Jungen nach seiner Gefangenschaft. Er weinte wahrscheinlich, weil er so viele grausame Dinge erleben musste. Auf einem weiteren Foto erblickte ich, wie die Menschen sich in Reih und Glied stellen mussten, so dass diese alle gleich aussahen. Außerdem schauten wir einen Film. In diesem berichtet ein Überlebender vom KZ, was sich hier alles zugetragen hatte. Es war fürchterlich, was er sah und miterleben musste. Er bekam mit, wie sehr viele Menschen einfach umgebracht wurden. Als der Film zu Ende war, gab es Abendessen. Am Ende des Tages durften wir uns in der Halle mit verschiedenen Spiele austoben. Am Abend dachte ich mir, wie schlimm es doch war, damals gelebt zu haben.

Am nächsten Tag durften wir uns an einem reichhaltigen Frühstücksbüffet bedienen. Anschließend ging es mit einem Kleinbus in die Gedenkstätte Flossenbürg. Es war kalt und schneite. Ich stellte mir vor, wie es wohl früher für die Gefangenen sein musste. Die Insassen hatte man nackt nach draußen geschickt, ohne Rücksicht auf die kalte Witterung. Wie grausam Menschen doch sein können! Amy führte uns durch die Gedenkstätte. Dort sahen wir die Räume, in denen die Personen gequält wurden. Die Menschen wurden hier ganz heiß oder ganz kalt geduscht. Dies sollte ein Zeichen sein, dass sie nichts wert waren. Nach der Dusche wurden ihnen mit schmutzigen Klingen die Haare abrasiert. Sie wollten ihnen alles, was einen Menschen ausmacht, wegnehmen und sie somit entwürdigen. Alle wurden mit einem starken Läusebekämpfungsmittel auf die nackte Haut behandelt. Das war äußerst schmerzhaft.

Dieser „Behandlungsraum“ wurde später als Kantine genutzt. Ich finde es schrecklich, dass man ihn so einem Raum überhaupt essen kann, wenn man weiß, was dort passiert ist. Was ich auch erschreckend fand, war, dass wenn die Menschen gestorben sind ihnen beispielsweise goldene Zähne herausgerissen wurden und sie einfach in Maschinen ohne Respekt verbrannt wurden. Später dann auch zu dritt. Ich finde, man hätte sie wenigstens würdevoll beerdigen sollen. Manche Leichen wurden auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Die Asche wurde dann auch im Wald ohne Respekt wie Blumenerde verteilt. Nach der Befreiung bekamen sie aber aus Respekt vor ihnen eine Pyramide, in der ihre Asche war. Dies finde ich sehr schlimm, denn die Pyramide ist sehr groß und da sind auch noch nicht alle Verstorbenen beerdigt. Dies ist für die Überlebenden gut, denn so wissen sie, wo sie trauern können. Außerdem können die Überlebenden nicht vergessen, was sie im KZ gesehen haben.

 Am nächsten Tag fuhren wir nach Hause. Nach diesem Aufenthalt dachte ich mir nur, wie gut wir es haben, denn wir werden nicht gequält und wie ein Tier behandelt. Deshalb sollten wir auch darauf achten, dass es nicht mehr zu so einem Krieg kommt. Außerdem habe ich Respekt vor den Menschen, die damals im KZ waren, denn sie haben so viel Schlimmes erlebt und davor sollte man wirklich Ehrfurcht haben.

 

Bericht ihrer Lehrerin Frau Oster

 

 

 

Erfahrungen in zwei Studienseminaren mit Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

In der Woche vom 07. bis zum 11. November 2016 waren nacheinander die Klassen 8a und 8b der Realschule Boxberg in Bad Alexandersbad im Evangelischen Bildungszentrum zu Besuch. Hier fand ein Workshop zum Thema „Lernen am historischen Ort“ statt. Der historische Ort war in diesem Fall die KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg. Die Kinder kamen am ersten Tag des Workshops zum Mittagessen im Bildungszentrum an und trafen sich im Anschluss mit der Museumspädagogin der Gedenkstätte in einem Gruppenraum. Die Museumspädagoginnen waren in den ersten drei Tagen Jana D. und danach Amy W. In dem bereits vorbereiteten Gruppenraum bekamen die Kinder einen Überblick über Hitlers Werdegang und die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs. In der achten Klasse ist das Dritte Reich noch kein Thema im Geschichtsunterricht und trotzdem haben es die Museumspädagoginnen geschafft, jedes Kind anzusprechen und in die Gestaltung eines Zeitstrahls mit einzubinden. Schon während dieser Arbeit hat man den Kindern die Betroffenheit angesehen. Sie haben verschiedenste Bilder zum Thema Nationalsozialismus in eine zeitliche Reihenfolge gebracht und vor allem sehr schreckliche Bilder genau hinterfragt. Die Aufmerksamkeit und Stille in dem Gruppenraum zeigten das große Interesse und die Emotionalität des Themas sehr deutlich.

Am zweiten Tag stand der Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg an. Mit der Ankunft an der Gedenkstätte veränderte sich die Stimmung der Kinder schlagartig. Die Themen, über die sich die Kinder unterhielten, hatten auf einmal hauptsächlich mit der Umgebung zu tun. Während des Rundgangs über die Gedenkstätte, geführt von einer der Museumspädagoginnen, wurde die Stimmung immer bedrückender. Beide Klassen reagierten sehr unterschiedlich auf die schrecklichen Ereignisse, von denen sie erzählt bekamen. Eine Klasse wurde immer ruhiger und man hörte immer wieder Aussagen wie: „Das kann ich mir nicht vorstellen, dass die das ausgehalten haben.“ Die andere Klasse zeigte ihre Betroffenheit, indem sie unzählige Fragen stellte und alles ganz genau wissen wollte. Nach einem Film mit verschiedenen Interviews von Zeitzeugen, der die Kinder fast zu Tränen rührte, beschäftigten sie sich in Gruppen mit verschiedenen Themen der Gedenkstätte intensiver. Sie gingen durch die Ausstellung und suchten Antworten auf die ihnen gestellten Fragen der Museumspädagoginnen. Man hörte in allen Ecken: „Wow, schau‘ mal hier. Das war so schlimm!“ oder „Hast du gesehen, wie schrecklich die Menschen da aussahen?“  Im Anschluss bereiteten die Schüler eine kleine Präsentation ihres Themas für den folgenden Tag vor. Eine weitere Aufgabe jeder Gruppe war es, etwas zu fotografieren , das sie besonders berührt. Diese Fotos und drei passende Begriffe sollten auch am nächsten Tag vorgestellt werden.

Nach dem Frühstück hatten die Kinder noch Zeit zur Fertigstellung ihrer Präsentation und dann trugen die Gruppen ihre Themen nacheinander vor. Auch während dieser Theoriephase haben sich die Kinder komplett auf das Thema eingelassen. Sie stellten Fragen und waren von vielen Tatsachen sowie Einzelschicksalen sehr beeindruckt. Vor allem die ausgewählten Motive der Gruppenfotos regten zu Gesprächen an, die häufig in betretenem Schweigen endeten. Fotografiert wurden zum Beispiel das Krematorium, ein Massengrab und ein Propagandaplakat. Fast alle Begriffe, die die Kinder ausgewählt hatten, drückten ihre tiefe emotionale Betroffenheit aus: Tod, Grausamkeit, Quälerei, Gefangenschaft. Die Erfahrungen dieser Tage werden noch lange nachwirken.