„Es tat im Herzen weh zu sehen,

...was Menschen zu dieser Zeit durchmachen mussten!“ (Joana, 14 Jahre) - In Schülerseminaren mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg gelingt das vertiefte Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes

Alle bayerischen Schülerinnen und Schüler sollen in ihrer Schulzeit wenigstens einmal die Gedenkstätte eines Konzentrationslagers besucht haben. So steht es erfreulicherweise seit einigen Jahren in den Lehrplänen. Das Konzept ist überzeugend: Gerade am historischen Ort von Leid und Unterdrückung kann eine tiefe Betroffenheit entstehen, die anschließend fruchtbar wird im Interesse an genauerem geschichtlichen Wissen. Und die heftige Abscheu gegenüber Unmenschlichkeit und brutaler Gewalt kann zum Fundament werden für ein authentisches persönliches Bekenntnis zu Mitgefühl und Menschenrechten.

Nicht jeder Besuch einer KZ-Gedenkstätte erfüllt freilich diese weitreichenden Erwartungen. Wichtige Voraussetzungen sind vor allem eine gute Vor- und Nachbereitung sowie eine einfühlsame fachliche Begleitung und eine angemessene Zeit vor Ort. All dies ist in den üblichen schulischen Abläufen oft nur schwer zu verwirklichen. Aufgrund dieser Erfahrung hat das Evangelische Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad (EBZ) gemeinsam mit der Pädagogischen Abteilung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ein Modell entwickelt, wie diese bedeutenden Bildungschancen besser erschlossen werden können. Dank der großzügigen Förderung durch die „F. C. Flick – Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“ konnte dieser Ansatz im vergangenen Jahr mit vier dreitägigen Studienseminaren für 8. Klassen sehr erfolgreich erprobt werden.

Da die Gedenkstätte in Flossenbürg selbst nicht über ein Tagungshaus verfügt, ist diese Kooperation sehr produktiv. Vor allem kann so eine gute Vor- und Nacharbeit zum Besuch der Gedenkstätte gewährleistet werden. Die Klassen werden deshalb durchgehend an allen drei Tagen von demselben pädagogischen Team der Gedenkstätte begleitet: zunächst in Bad Alexandersbad, dann, am zweiten Tag, in Flossenbürg und schließlich zur Nacharbeit  am dritten Tag wieder in der Tagungsstätte. (Ein Bus bringt die jungen Leute am zweiten Tag morgens ins etwa 25 km entfernte Flossenbürg und abends wieder zurück.)

Methodisch folgt das Team dem Konzept des entdeckenden Lernens und sucht durch aktive Beteiligung  das Interesse der Schülerinnen und Schüler zu wecken. Auch ihre medialen, narrativen und quellenkritischen Kompetenzen werden angesprochen und gezielt gefördert. Schließlich bietet die Unterbringung in dem großen Tagungszentrum den Jugendlichen viele Möglichkeiten, das Erlebte und Gelernte auch durch sportliche, musische oder künstlerische Aktivitäten zu verarbeiten.

(Dr. Joachim Twisselmann, Stellvertretender Leiter des Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrums Bad Alexandersbad.)