Andachten zur Kar- und Osterwoche 2020

Von guten Mächten

Heute ist Gründonnerstag. Der Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls. Wir feiern heuer das Fest der Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander in einer merkwürdigen Situation: Das Mahl, das uns sonst auf das Intensivste verbindet, können wir nicht begehen. Die Form der Gegenwart Christi, die in, mit und unter Brot und Wein leiblich zum Ausdruck kommt, müssen wir heute entbehren. Dass dies auch für den Tag gilt, an dem sie eingesetzt wurde, lässt diesen Umstand besonders bitter erscheinen.

Was hilft mir in dieser Situation? Mir helfen Worte und Gedanken eines Menschen, der sich in wichtigen Phasen seines Lebens damit auseinanderzusetzen hatte, dass das, was er glaubte und hoffte, scheinbar überdeckt wurde von einer bedrängenden Lebenssituation. Ich meine Dietrich Bonhoeffer, den Theologen und Widerstandskämpfer. Heute vor 75 Jahren wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg, gut 50 Km von Bad Alexandersbad entfernt, hingerichtet. Als eines der letzten Mitglieder aus dem Widerstandskreis des 20. Juli hatte Hitler persönlich bestimmt, dass er den Krieg nicht überleben solle.

Die Jahre zuvor hatte er im Gefängnis in Tegel verbracht. Seine Aufzeichnungen aus der Haft wurden nach dem Krieg von seinem Schüler und Biografen Eberhardt Bethke unter der Überschrift „Widerstand und Ergebung“ veröffentlicht.

Eine für Bonhoeffer wichtige Unterscheidung ist die der „letzten und vorletzten Dinge“.
Im Abendmahl haben wir es mit dem Entscheidenden und Letzten zu tun. Wir feiern die Gegenwart Christi im Mahl. Wir singen „Anbetung Dir, einst feiern wir, das große Abendmahl bei Dir!“ und erhalten so einen Vorgeschmack der Ewigkeit auf unserenLippen. Das Abendmahl umreißt das große Ziel auf das wir hoffen zuzugehen, die „letzten Dinge“.

Nun aber spüren wir, wie sich „Vorletztes“ vor die uns so wichtigen „letzten Dinge“ zu schieben scheint. So wie wir heuer das Abendmahl am Gründonnerstag eben nicht feiern können, weil sich eine ansteckende Krankheit wie eine Barrieren zwischen uns und die Feier stellt. Im Abstand halten füreinander da sein. Das ist jetzt unsere Aufgabe.

Bonhoeffer würde uns wohl sagen: Es gibt das „Letzte“ nicht ohne das „Vorletzte“. Darum gilt es die „Vorletzten“ Dinge radikal ernst zu nehmen und nicht, sie schlecht zu machen oder abzuwerten. Dieses Leben ist immer noch und immer wieder Gottes Leben, so gestört es auch sein mag.  Sein Schutz ist uns aufgetragen. Was darum jetzt von uns verlangt ist, ist n i c h t Abendmahl zu feiern. Um der Liebe Christi willen, dessen Selbsthingabe wir in diesen Tagen gedenken.

Das bedeutet nun ganz und gar nicht, dass wir, weil wir das Mahl nicht feiern können, aus der Liebe Christi herausfallen. Aus dem Gefängnis heraus schreibt Bonhoeffer diese Worte an seine Verlobte Maria von Wedemeyer: „Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit Organe ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen. So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du und die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat.“

Aus dieser Gewissheit klingen auch die Worte Bonhoeffers zu uns, die wohl seine bekanntesten sind und die heuer uns und Sie alle, die wir oft festgesetzt in unseren Wohnungen verbringen müssen, trösten und stärken sollen:

Von guten Mächten treu und still umgeben
Behütet und getröstet wunderbar
So will ich diese Tage mit euch leben
Und mit euch gehen in ein neues Jahr

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag

Noch will das Alte unsre Herzen quälen
Noch drückt uns böser Tage schwere Last
Ach Herr gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das Du uns bereitet hast

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus deiner guten und geliebten Hand

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag

 

In diese Gewissheit wünsche ich Ihnen und Ihren Familien einen gesegneten Gründonnerstag

Herzlich

Ihr

Andreas Beneker

Karfreitag

Kreuzigung

In der Osterausgabe der „Zeit“ vermutet Evelyn Finger, dass in Normaldeutschland vor Corona viele Menschen dazu neigten, „das Dunkle des Karfreitags zu überspringen und gleich zum Osterspaziergang zu kommen.“ Sie fragt: „Kann es sein, dass sich das jetzt ändert?“

Tatsächlich muss man im Augenblick nicht viel Mühe aufwenden, um die dunklen Seiten des Lebens in Erinnerung zu rufen: Menschen, die bei uns und woanders in der Welt um ihr Leben bangen; die beklemmende Situation all derer, die gerade jetzt jemand bräuchten, aber isoliert bleiben müssen; die katastrophalen Verhältnisse in Italien, Spanien und den USA, all das ist uns überaus präsent. Und natürlich beschäftigen uns immer mehr auch die Folgeschäden von Covid-19. Wir denken an unsere Wirtschaft und was aus ihr werden soll, an die vielen Menschen, für die diese Frage bereits jetzt eine Existenzfrage ist. Und wenn wir noch weiter denken wollen, dann können wir uns mit der Frage beunruhigen, ob aus der Coronakrise auf der nationalen und internationalen Ebene größere Solidarität und Menschlichkeit erwachsen, ein Überdenken so mancher Fehlentwicklungen, oder ob der Schuss eher nach hinten losgeht.

Eins ist jedenfalls offensichtlich: Ganz vielen wird bewusst, wie zerbrechlich und hinfällig unser Leben ist, trotz aller Sicherungsversuche. Es ist eine eigenartige, manchmal vielleicht sogar leicht apokalyptische Stimmung, die nach uns greift – und dies trotz herrlicher Frühlingssonne.

Wenn Christen in dieser Situation auf das Kreuz Jesu blicken, dann sehen sie dort nicht nur einen leidenden und sterbenden Menschen, sondern sie erkennen in diesem Menschen den Gott, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist. „Gott war in Christus.“ Nicht um uns anzuklagen und zu verdammen, sondern um in einer letzten Solidarität an unserer Seite zu stehen. In Christus hat Gott unser Menschsein in allen Höhen und Tiefen durchgemacht. Als dieser Gott, als der mitleidende und freundlich uns zugewandte, ist er in jeder Lebenssituation, auch im größten Leiden für uns da. Nicht um das Leid auszuradieren, sondern um es mit uns auszuhalten und heilsam zu verwandeln. Der gekreuzigte Jesus gibt uns keine theoretische Antwort auf die Frage, warum Gott all das Leid in dieser Welt zulässt. Aber er hilft uns, nicht aufzugeben und daran zu wachsen. Ich darf es glauben: Gott ist in jeder Situation für mich da. Er lässt mich nicht hängen. Ich darf ihn anrufen. Er will mir den jeweils nächsten Schritt zeigen und lässt mich auch dort nicht fallen, wo mir alles entgleitet. Nicht jeder kann das glauben. Aber vielleicht können die, die es glauben, diese Liebe verkörpern, indem sie für andere da sind, gerade jetzt. An Ideen, was dies auch in der Coronakrise bedeuten kann, fehlt es ja nicht.

Die Tatsache, dass Gott zutiefst solidarisch mit uns geworden ist, dass er sich ganz und gar auf unsere Seite gestellt hat, bedeutet freilich nicht, dass Gott alles Dunkle und Schwierige unter den Teppich kehrt. Jesus ist keines natürlichen Todes gestorben. Er ist gestorben, weil Menschen ihn aus Machtgier, Tücke und Gleichgültigkeit loshaben wollten. Wenn Jesus auf dieses Panoptikum menschlicher Bosheit nicht mit Gegengewalt, Hass und Vergeltung reagiert, sondern mit Liebe und Vergebung, dann bedeutet dies nicht, dass Gott all unsere Lieblosigkeit nicht zutiefst schmerzt. So sehr Gott deshalb will, dass wir ganz fest an seine Liebe zu uns glauben, so sehr wünscht er sich auch, dass wir im Bewusstsein dieser Liebe immer tiefer an der Lieblosigkeit, Selbstsucht und Ungerechtigkeit in uns und in dieser Welt leiden. Nicht weil Leiden an sich eine Tugend ist, sondern weil aus diesem Leiden die Leidenschaft erwachsen kann, neue Wege einzuschlagen. Gerade die Coronakrise kann uns bewusst machen, wie viel in unserer Welt falsch läuft. Natürlich ist Covid-19 überall schlimm, und doch ist es auch dieses Mal leider wieder so, dass diejenigen, die in unserer Welt sowieso schon auf der Schattenseite stehen, am schlimmsten leiden. Die göttliche Liebe, die sich uns an Karfreitag offenbart, ist jedenfalls alles andere als harmlos. Sie ist eine Ermutigung, das Dunkle in unserer Welt noch tiefer wahrzunehmen, und dafür zu beten und zu arbeiten, dass Menschen neu Hoffnung und Lebensmut bekommen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten und ermutigenden Karfreitag.

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2. Kor. 5,19)

Peter Hirschberg

Karsamstag

Golgatha - Schädelstätte

Karsamstag, 11.April 2020

TOD – Alles ist zu Ende.

Der Schädel in der Tiefe des Galgenberges Golgatha ist das sichtbare Zeichen dafür auf unserem Fresko.
Jedes Leben auf dieser Erde ist anders, verschieden von denen, die da sonst noch sind.
Nur eines ist gleich, egal ob wir arm, reich, blond, gelockt, schwarz braun, gelb oder weiß sind:
wir werden sterben.
Niemand bleibt davon verschont, kein Mensch. Und die Schwärze, Dunkelheit und Düsternis, die den Tod, die das Sterben begleiten und umgeben, ist allumfassend. Und für viele von uns ist das heute die unsichtbare Bedrohung durch das Coronavirus, die so unbedingt ist und von keinem  ignoriert werden kann.

Karsamstag.

Jesus ist tot. Alle seine Hoffnungen sind zu Ende. Alle Hoffnungen seiner  Freundinnen und Freunde sind zu Ende. Zwei Tage zuvor saßen sie zusammen, aßen, tranken, beteten, feierten die Passahliturgie, die von der Rettung aus der Not sprach. Die Dunkelheit kündigte sich an: Judas verließ den Kreis für den Verrat; die Jünger schliefen statt zu wachen; Petrus leugnete, Jesus zu kennen. Die Düsternis wurde stärker: Die Verurteilung Jesu; das Kreuz, das Jesus tragen musste; die Schmach durch die Menge zu laufen, die wenige Tage zuvor noch jubelte; der Tod als Verbrecher.

Tiefste Schwärze: hinabgestiegen in das Reich des Todes, früher hieß es „niedergefahren zur Hölle“ – unvorstellbar. Und dann war da auch die Schwärze in den Seelen der Jüngerinnen und Jünger. Das undurchdringliche Schweigen, das herrschte. Was passiert an diesem Tag im Freundeskreis? Sie ruhten, wie es der Sabbat vorschrieb.

Heute wissen wir, dass dieses schwarze Loch, diese Düsternis nicht endlos war. Maria Magdalena, Petrus, Johannes, die Freundinnen und Freunde wussten es nicht. Ihr Leben war an diesem Tag zuende, das Leben gemeinsam mit Jesus. Wie sollte es nun weitergehen? Ihre Trauer ließ erst mal keinen Raum für Pläne und Vorstellungen. Da half, glaube ich, das Ritual und die Gemeinschaft. Gemeinsam weinen, gemeinsam trauern und erinnern. Und tun, was getan werden muss: Sie beteten gemeinsam, die Frauen besorgten Öle, und Tücher für die Salbung nach dem Ruhetag. So konnte ein neuer Anfang gemacht werden. So wurde ein neuer Anfang gemacht.

Wenn wir am Karsamstag unser Leben bedenken, erkennen wir so manche dunkle Zeiten. Die sind schwer, gefühlt zu schwer.  Gerade jetzt, wo das Coronavirus uns in die Isolation, das Nachdenken, Grübeln und Rückschau schickt, tauchen Geschichten, Bilder und Erinnerungen auf. Dieser Karsamstag zwischen Tod und Auferstehung ist dafür exemplarisch. Der Totenschädel im Fresko ist es auch. Wir entgehen ihm nicht, dem Tod. Er gehört zu unserem Leben untrennbar dazu.

Und doch: Wir haben es gehört: Der Tod hat nicht das letzte Wort!
Jesus ist auferstanden. Die Dunkelheit wird vorbei gehen.
Und Gott begleitet uns hindurch.
Jesus kennt jede Dunkelheit, jede Verlorenheit, jedes Verlassen sein.
Sie haben nicht das letzte Wort, sie werden überwunden werden. Und wir haben einen Weggefährten, der das alles kennt, dem wir alles anvertrauen können und sagen können im Gebet – Jesus.

„Christus ist im Leiden bis an das Ende der Welt.“ Roland de Pury 
(Ev. Gesangbuch S.176)

Barbara Twisselmann

Ostersonntag - Kommt ins Helle

Kreuz und Ostersonne

 

Das Leben erwartet uns. Aber das wissen wir noch nicht, als wir zum Grab aufbrechen – zusammen mit den Frauen und ihrem Salböl. Wir wollen dem Gestorbenen ein letztes Mal nahe sein. Unsere Trauer verdrängt jeglichen Mut. Am Stein wird alles scheitern.

Aber welch wunderwolle Wende. Plötzlich singt es für uns:

Der schöne Ostertag! Ihr Menschen, kommt ins Helle! Christ, der begraben lag, brach heut aus seiner Zelle. Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, so glaubten wir umsonst. Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.

Das hervorströmende Glück schraubt sich im Refrain pro Silbe und Note in die Höhe. Das vierte „erstanden“ ist prächtig verziert uns ausgedehnt, bis es sich wieder im Grundton erdet.

Dieses englische Lied mit dem deutschen Text von Jürgen Henkys begleitet uns heute in den Ostersonntag. Es steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 117. Präzise malt Henkys ein Auferstehungsbild. Aus der Zelle, aus dem Gefängnis, aus dunkler Enge werden wir herausgerufen. Sanfte und tröstende Helligkeit empfängt uns. Unsere Füße betreten eine neue Welt unter einem geöffneten Himmel. Die Nacht ist vorüber. Endlich.

Aufstehen und sich dem Leben wieder in die Arme werfen – danach sehnen wir uns am Ostersonntag 2020. Im Glauben nehmen wir den Tag vorweg, an dem wir nach überstandener Kontaktsperre wirklich wieder dem gemeinsamen Leben in die Arme fallen können. Denn:

Was euch auch niederwirft, Schuld, Krankheit, Flut und Beben – er, den ihr lieben dürft, trug Euer Kreuz ins Leben. Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, so kämpften wir umsonst. Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.

Der Kampf gegen Kreuze wäre aussichtslos, wenn Jesus im Grab geblieben wäre. Er hat auch unsere Kreuze ins Leben getragen. Das Coronavirus ist nur eines von unzähligen Beispielen.

Muss ich von hier nach dort - er hat den Weg erlitten. Der Fluss reißt mich nicht fort, seit Jesus ihn durchschritten. Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, so hofften wir umsonst. Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden, erstanden.

Jesus ist als Überwinder mit aller Macht vorangeschritten durch Wellen, die uns zu verschlingen drohten. Das gilt auch heute. Das Leben ist stärker als der Tod. Möge uns das Lied ermutigen, auf „Lebenswenden“ zu vertrauen: vom Gefängnis in die helle Freiheit. Der Auferstandene begegnet uns heute. Das Leben erwartet uns.

Ihr Menschen, kommt ins Helle.

 

Heidi Sprügel

Ostermontag

Abendmahlsgerät

„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ – Was für ein schöner Gruß in diesen Tagen! Ostern als trotziges Bekenntnis gegen alle Todesmacht.

Und doch frage ich mich manchmal, ob es nur so geht, oder besser: wie lange braucht es, bis ein Mensch, bis ich, dieses Bekenntnis aus vollem Herzen sprechen kann?
„Der Herr ist auf erstanden!“ Dieses Bekenntnis der  Auferstehung ist ja nichts, was sich sozusagen logisch aus dem Lauf der Dinge ergäbe. – Dieser Satz bricht mit immerhin all meiner Erfahrung, die da etwas despektierlich lautet: „Das Leben ist kurz und es endet zumeist mit dem Tode!“. Darauf sich auch einzustellen gehört – zumal in Coronazeiten – zur guten Übung.

Es tut mir gut, dass ich in der Bibel auch andere Geschichten finde. Geschichten, die still daherkommen, gleichsam etwas vorsichtiger von der Auferstehung sprechen.

Meine mir liebste Geschichte von der Auferstehung ist darum die Emmausgeschichte. Zwei Jünger Jesu, die auf dem Weg in ihr Heimatdorf Emmaus sind, einige Wegstunden von Jerusalem entfernt. Eigentlich wissen sie schon von dem, was an Ostern geschehen ist. Die Frauen hatten es schon berichtet.
Doch sie sind noch ganz im Alten gefangen. Sie reden über die Kreuzigung. Sie reden über den Tod Jesu. Sie reden über das Ende ihrer Hoffnungen am Karfreitag. Sie merken gar nicht, dass der Auferstandene sich ihnen zugesellt hat, dass er an ihrer Seite geht. Sie erkennen ihn schlicht nicht. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie, als man ins Gespräch kommt, ihn fragen, ob er der Einzige sei, der von den Ereignissen in Jerusalem nichts mitbekommen habe. Und auch hier meinen sie nicht die Botschaft der Auferstehung. Sie meinen die Kreuzigung Jesu, seinen Tod. Das was danach geschehen ist, ist nicht zu ihnen vorgedrungen. Es ist keine Wirklichkeit für sie.

Ich erkenne uns heutige in diesen beiden Männern wieder. Irgendwie gibt es auch unter uns in diesen Tagen nur ein Thema. Corona rauf. Corona runter. Gibt es ein Medikament? Wann wird ein Impfstoff zur Verfügung stehen? Wir stehen ja erst am Anfang der Pandemie. Wie lange soll das noch so gehen? Gottseidank verhalten sich die meisten vernünftig! Die Kurve zeigt nach unten….

Ich erlebe uns gefangen in der Kreuzwirklichkeit, wie die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus es sind. Im ständigen Nachdenken kreisen die Gedanken um die Krankheit und kommen nicht recht weiter. Das gilt vor allem gesellschaftlich. Keiner kann heute von uns sagen, wie die Welt in einem halben Jahr aussieht. Wir schauen nicht hindurch

Das merkwürdige ist, dass Jesus den Emmausjüngern nicht widerspricht, etwa mit den Worten: „Seid ihr blind?! Schaut her. Ich bin‘s, Der Auferstandene!“ – Nein,  er begibt sich vielmehr mit ihnen geduldig auf ihren Weg und deutet ihnen das, was sie erlebt haben und erleben aus der Schrift.

Als die drei in Emmaus ankommen, bitten die Jünger den Unerkannten zu bleiben und nach jüdischer Sitte überlassen sie dem Gast den Segen über dem kleinen Mahl, dass sie hergerichtet haben. Und erst dann, erst als der Auferstandene den Segen über dem Brot spricht und es bricht, bricht auch ihre festgefügte Kreuzwirklichkeit. Es öffnet sich ihnen ein Fenster, dass sie hinausschauen lässt in die Auferstehungswirklichkeit: Sie erkennen in dem Fremden Begleiter den Auferstandenen.

Das was sie bestimmte und buchstäblich gefangen nahm, ihre Angst, ihre Trauer, ist verflogen und sie sagen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg und uns die Schrift öffnete!“

Sie erkennen Jesus  - und er verschwindet vor ihren Augen. Aber das ist nicht mehr bitter, weil ihnen zur Erfahrung geworden ist, worüber sie am Morgen schon „informiert“ wurden.

Warum mich diese Geschichte heute tröstet und ermutigt?
Nun, wenn Ostern eben etwas nicht ist, dann eine „Information“, die uns über den zukünftigen Lauf der Dinge aufklärt. Und immer wieder nimmt sich Christus Zeit, um mit mir diesen mühsamen Weg zu gehen und zu deuten, den ich erst einmal nicht durchschaue. „Immer wieder“ deshalb, weil ich ihn, diesen Weg von Jerusalem nach Emmaus sozusagen, nicht nur einmal im Leben gehe, sondern immer wieder von neuem. Immer wieder sehe ich nur Kreuzeselend und ich bilde mir dann ein, eine andere Wirklichkeit kann es gar nicht mehr geben.

Die Emmausgeschichte leugnet die Macht und auch das Recht dieser Erfahrung nicht. Und doch reklamiert sie entschieden, dass es auch diese andere Deutung geben muss: Christus lebt und begleitet uns  auf unserem Weg!

Diese Erzählung möchte ich darum mir und uns allen ins Gedächtnis rufen, in diesen Tagen, in denen wir nicht durchschauen und wissen, was auf uns zukommt.

Das was du nun erfährst ist nicht vergebens! Der Weg von Jerusalem nach Emmaus ist nicht umsonst. Sondern er will gegangen sein. Und es gibt, so lässt es die Geschichte der Emmausjünger mich erahnen,  auch für uns diesen „Emmausmoment“, in dem dein und mein Weg der wird, den wir „durchs Kreuz ins Leben geh’n“. Dann, spätestens dann, werden wir einstimmen in den österlichen Jubel:

„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

 Andreas Beneker

Liebe Freundinnen, Freunde und Gäste des EBZ Bad Alexandersbad.

Wenig hat uns je in unserem Leben gemeinsam so bestimmt, wie die derzeitigen Wochen.
Wir scheinen gänzlich fremdbestimmt in des Wortes bitterster Bedeutung. Doch wir befinden uns in der Karwoche, der "Heiligen Woche". Die Botschaft dieser Tage ist, dass das, was schon immer den "Bestimmer" geben will, nicht siegen wird. Darum möchten wir allen in den kommenden Tagen ein "Lebenszeichen" von uns zukommen lassen!
Viele von Ihnen haben in Bad Alexandersbad auch eine geistliche Heimat. Sie kennen unsere Kapelle. Darum möchten wir Sie diese Woche mit den Fresken unserer Kapelle begleiten. Passend zu den Tagen können Sie ein Foto mit dem zum Tag passenden Fresko sehen. Und darunter schreibt jeden Tag jemand anderes von unserem Team eine kleine Besinnung oder Gebet. Unser Lebenszeichen für Sie!

Eine gesegnete Karwoche und dann ein frohes Osterfest uns allen. Bleiben Sie behütet!

Herzlich
Ihr

Andreas Beneker